Leben auf dem Land – Teil 1: Ein Anfang zwischen Aufbruch und Improvisation
- raupachkarl
- 5. Feb.
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Als Heike und Ulrich Raupach 1995 mit ihren beiden Kindern Karl (6) und Veronika (4) in die alte Gaststätte auf dem Land zogen, war vieles im Umbruch. Die Nachwendezeit brachte eine besondere Mischung aus Unsicherheit und Aufbruch mit sich – gerade hier, in der ehemaligen DDR. Für Ulrich, der an der Burg Giebichenstein in Halle Gefäßgestaltung studiert hatte, und für Heike war es dennoch der richtige Moment, einen großen Schritt zu
wagen.
Der Wunsch, Porzellan zu gestalten und herzustellen, war bereits zuvor gewachsen. Erste Schritte in Richtung eigener Produktion hatten Heike und Ulrich bereits in Markranstädt unternommen. Diese frühen Erfahrungen bildeten die Grundlage für das, was sich hier weiterentwickeln sollte: eine eigene Manufaktur und ein Leben, in dem Arbeiten und Wohnen eng miteinander verbunden sind.
Die alte Gaststätte bot dafür überraschend gute Voraussetzungen. Die Räumlichkeiten waren für ihre frühere Nutzung großzügig angelegt und funktional. Die Werkstätten reihten sich rund um die große Küche, die einst für den Gastbetrieb genutzt worden war. Selbst eine alte gemauerte Kochmaschine war noch vorhanden – ein stiller Zeuge vergangener Zeiten.
Der Hof selbst war von den Vorbesitzern zugebaut worden. Zuletzt hatte hier nur noch eine alte Frau mit ihrem Hund gelebt. Auch der Garten erzählte davon: Die Beeteinfassungen aus hunderter alter Schnapsflaschen stammten noch aus dieser Zeit. Vieles wirkte eigenwillig, manches improvisiert, alles trug die Spuren der Vergangenheit.
Das Haus befand sich insgesamt in einem schlechten Zustand. Renoviert wurde nach und nach, so wie es die Möglichkeiten zuließen. Zunächst das Notwendigste, später weitere Räume. Wohnbereiche entstanden parallel zum Werkstattbetrieb. Improvisation gehörte zum Alltag. Das Konzept, Leben und Arbeiten miteinander zu verbinden, war nicht nur eine Idee, sondern tägliche Praxis.

Zum Grundstück gehörte auch eine Scheune mit Heuboden. Für die Kinder war das gesamte Areal ein riesiger Abenteuerspielplatz – mit Ecken, Höhlen, Verstecken und Freiräumen. Gleichzeitig stellte das Leben hier große Anforderungen. Der erste Winter war extrem hart. Da das Haus nur unzureichend beheizt werden konnte, richtete sich die Familie einen provisorischen Wohnbereich im Keller ein, um zumindest einen warmen Rückzugsort zu haben.
Das große alte Haus verfügte über einen Tanzsaal, der viele Möglichkeiten eröffnete. Hier wurde gearbeitet und gelebt, gefeiert und gespielt. An einem verregneten Ostersonntag wurden Eier im Tanzsaal versteckt, später fanden hier Feste statt, Begegnungen, gemeinsames Essen und Gespräche.
Mit der Zeit wuchs auch der Kontakt zu den Nachbarn und anderen Menschen aus dem Dorf. Erste Gespräche wurden zu Bekanntschaften, daraus entstanden Freundschaften. Die Kinder gingen in den Kindergarten und in die Schule und wuchsen ganz selbstverständlich in diese neue Umgebung hinein.
Der Verkauf der Porzellanarbeiten basierte in den Anfangsjahren vor allem auf Märkten und Messen, fast ausschließlich in den alten Bundesländern. Die Wege waren lang, die Mittel begrenzt, der Einsatz groß. Ulrich übernachtete bei seinem ersten Weihnachtsmarkt in Bonn anfangs direkt im Stand. Nachschub wurde teils von nur einer Person mit dem Zug transportiert – Kisten, Kartons, Porzellan.
Es war eine Zeit des Improvisierens, des Durchhaltens und des gemeinsamen Glaubens an die eigene Arbeit. Vieles war noch unsicher, nichts selbstverständlich. Doch genau hier, auf dem Land, in diesem alten Haus, nahm die Manufaktur Schritt für Schritt die Form an, in der wir sie heute kennen.
Fortsetzung folgt.




















Ein Podcast hat mich auf Euch aufmerksam gemacht und an der ersten Bestellung bei Euch haben wir unsere Freude. Es ist spannend zu lesen, wie alles angefangen hat und wie es sich entwickelt hat. Respekt vor Eurem Mut und Durchhaltevermögen. Alles Gute für die weitere Entwicklung.