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Leben auf dem Land – Teil 3: Heute und immer noch im Fluss

  • raupachkarl
  • 28. Juli
  • 2 Min. Lesezeit

Seit den ersten Tagen sind mittlerweile über 30 Jahre ins Land gegangen. Die Manufaktur gibt es immer noch – ein deutlicher Beweis dafür, dass wir einiges richtig gemacht haben. Teile der Werkstätten und Maschinen stammen noch aus der Anfangszeit, andere wurden erneuert oder ergänzt, immer angepasst an die Anforderungen unserer Arbeit. Nichts ist jemals wirklich fertig, alles entwickelt sich weiter.



Mittlerweile sind wir zu viert: Neben Ulrich und Heike gehören Britta, eine gute Freundin, sowie Karl, der nach seinem Studium an der Burg in Halle zurückgekehrt ist, zum Team der Manufaktur Raupach. Verantwortungsbereiche sind klar aufgeteilt, und gemeinsam meistern wir jeden Tag das Projekt Manufaktur.



Auch der Hof und die Gebäude haben sich über die Jahre gewandelt. Dieses Jahr steht eine große Baumaßnahme an: Das alte Giebeldach sowie der Dachstuhl müssen ausgetauscht und repariert werden. Die Pferde stehen nicht mehr auf der Weide, dafür parken hier jeden ersten Dienstag im Monat die Autos der Besucher der „Offenen Bühne“, einem Musikevent im alten Saal, das aus einer offenen Probe unserer Hausband entstanden ist. Bands und Musikbegeisterte aus der Umgebung, aber auch aus Dresden und Leipzig, kommen, um einen gemeinsamen Abend zu verbringen. Alles läuft auf Spendenbasis – keine Gagen, keine Kassen. Es geht um die Freude an der Sache, um Gemeinschaft, um das Unperfekte, um handgemachte Musik und handgemachtes Porzellan. Auch im vierten Jahr ist die Veranstaltung stark besucht, der Saal oft völlig überfüllt – ein Zeichen, wie groß das Bedürfnis nach Kultur und Austausch ist.



Unsere Arbeit ist eng mit dem Landleben verbunden. Kurze Wege zwischen Wohnen, Werkstätten, Ofen und Lager erlauben einen fließenden Alltag. Die Jahreszeiten setzen den Takt: Im Winter muss die Werkstatt geheizt werden, damit die Rohware trocknet, im Sommer werden die Stücke manchmal mit Folien abgedeckt, damit sie nicht zu schnell trocknen. Morgens joggt Heike mit ihrer Hündin Motte, danach ein Bad in der Eistonne im Garten – egal welche Jahreszeit. Ulrich ist unermüdlich in Musikprojekten engagiert, Karl pendelt aus Leipzig, spielt selbst Musik. Britta ist ebenfalls fest im Team verankert. Und mittags sitzen wir oft zusammen, tauschen uns aus, bevor es wieder an die Arbeit geht.



Die Coronapandemie hat uns gezeigt, wie wichtig Anpassungsfähigkeit ist. Märkte und Messen fielen über längere Zeit aus, die Basis für den Verkauf musste neu gedacht werden. Durch gemeinsame Anstrengung und etwas Glück gelang der Umstieg auf den Online-Shop. Heute versenden wir in die gesamte Republik, und Märkte dienen vor allem dazu, mit unseren Kunden ins Gespräch zu kommen. Unser Anspruch an Qualität ist gestiegen – und doch sind wir immer noch Lernende, immer noch offen für Neues. Social Media, 3D-Druck und andere moderne Mittel helfen uns, ohne dass wir unsere Philosophie aufgeben.



Das Leben auf dem Land, die enge Verbindung von Arbeit und Alltag, die Natur, die Jahreszeiten und die Gemeinschaft – all das prägt unsere Manufaktur. Wir könnten uns heute kaum vorstellen, woanders zu arbeiten. Alles, was wir tun, alles, was wir gestalten, trägt die Handschrift dieses Ortes, dieses Hofes, dieser Räume und Menschen, die uns begleiten.



Auch nach über drei Jahrzehnten ist klar: Wir sind immer noch im Fluss. Nichts ist fertig, alles wächst, alles lebt. Und genau das macht unsere Arbeit aus – das Zusammenspiel von Ort, Zeit, Material und Menschen, das unsere Manufaktur prägt und uns immer wieder neu inspiriert.

 
 
 

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